Nepalesische Arbeitskräfte
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Andere Arbeitswelten verstehen – Teil 5: Nepal

Nepal – ein Land zwischen den höchsten Gipfeln der Welt und einer tief verwurzelten spirituellen Kultur. Während die meisten an den Mount Everest oder an Trekkingtouren denken, bleibt die Arbeitswelt Nepals für viele weitgehend unbekannt. Dabei bringen nepalesische Arbeitskräfte Eigenschaften mit, die in internationalen Teams geschätzt werden: Loyalität, Teamgeist, Anpassungsfähigkeit und Respekt gegenüber Autoritäten.

Wer mit Fachkräften aus Nepal arbeitet oder sie ins eigene Unternehmen integriert, profitiert davon, die kulturellen Hintergründe zu verstehen. Denn Religion, Familie und Hierarchien prägen das Arbeitsleben in Nepal – und damit auch die Erwartungen an Führung, Kommunikation und Zusammenarbeit.

Im Fokus: NEPAL

Nepalesische Flagge weht im Wind

Feiertage & Religion – Göttervielfalt im Alltag

Nepal ist eines der religiös vielfältigsten Länder der Welt. Rund 80 % der Bevölkerung sind Hindus, etwa 9 % Buddhisten, und viele Menschen praktizieren Elemente beider Glaubensrichtungen parallel. Religiöse Rituale, Tempelfeste und Familienfeiern sind fester Bestandteil des Lebensrhythmus.

  • Dashain (Oktober, wichtigstes Fest): das wichtigste Fest Nepals, dauert rund zwei Wochen. Familien reisen aus allen Landesteilen zusammen, um Opferzeremonien durchzuführen und die Segnungen der Ältesten zu empfangen. In dieser Zeit steht vieles still – ähnlich wie während der Weihnachtszeit in Europa.
  • Tihar (Lichterfest, ähnlich Diwali): dauert fünf Tage und ehrt unter anderem Krähen, Hunde und Kühe. Häuser werden mit Öllampen geschmückt, und es wird gemeinsam gegessen und gefeiert.
  • Buddha Jayanti: Geburtstag Buddhas, besonders wichtig in buddhistisch geprägten Regionen.
  • Indra Jatra (Kathmandu): Ein traditionelles Straßenfest mit Tänzen und dem „lebenden Kind-Gott“ Kumari.

Für internationale Teams ist es hilfreich, diese kulturellen Fixpunkte zu kennen – nicht nur, weil sich während der großen Feste vieles verlangsamt, sondern auch, weil sie zeigen, wie stark Gemeinschaft, Dankbarkeit und Spiritualität in Nepal verankert sind.

Familie – Pflicht und Respekt

In Nepal gilt die Familie als wichtigste soziale Einheit. Sie bietet nicht nur emotionalen Rückhalt, sondern beeinflusst auch zentrale Lebensentscheidungen – von der Berufswahl bis zur Arbeitsmigration. Viele Arbeitskräfte aus Nepal leben zeitweise im Ausland, um ihre Angehörigen finanziell zu unterstützen.

Mehrgenerationenhaushalte sind üblich, und Respekt vor Eltern und älteren Familienmitgliedern hat hohen Stellenwert. Besonders Söhne übernehmen Verantwortung, wenn es darum geht, für Eltern und Geschwister zu sorgen.

Dieser familiäre Zusammenhalt spiegelt sich auch im Arbeitsleben wider: Teamorientierung, gegenseitige Unterstützung und Loyalität gegenüber Vorgesetzten sind selbstverständlich. Entscheidungen werden häufig gemeinschaftlich getroffen, und man vermeidet offene Konfrontationen, um Harmonie zu bewahren.

Esskultur – Dal Bhat und Gemeinschaft

Essen ist in Nepal weit mehr als Nahrungsaufnahme – es ist ein soziales Ereignis. Das Nationalgericht Dal Bhat, bestehend aus Linsen, Reis und Gemüse, steht sinnbildlich für Energie, Ausdauer und Gemeinschaft. Fleisch wird gegessen, aber viele Speisen sind vegetarisch; Rindfleisch ist tabu, da die Kuh als heilig gilt.

Mahlzeiten werden traditionell gemeinsam eingenommen. Wer nepalesische Arbeitskräfte beschäftigt, erlebt oft, dass Kolleginnen und Kollegen gern zusammen essen, teilen und auch Gäste mitversorgen. Diese offene und gastfreundliche Haltung kann zu einem angenehmen, verbindenden Arbeitsklima beitragen.

Hierarchien & Führungsstil – Alter zählt

Nepalesische Unternehmen sind stark hierarchisch organisiert. Alter und Erfahrung zählen mehr als Titel oder formale Positionen. Entscheidungen werden in der Regel von oben getroffen, und offene Kritik wird vermieden, um das Gesicht der Beteiligten zu wahren.

Führung wird häufig im Sinne von Fürsorge verstanden: Eine gute Führungskraft sorgt nicht nur für beruflichen Erfolg, sondern achtet auch auf das persönliche Wohl ihrer Mitarbeitenden. Das kann in internationalen Kontexten zunächst ungewohnt wirken, fördert aber Vertrauen und langfristige Bindung.

In der Kommunikation spielt indirektes Sprechen eine große Rolle. Ein einfaches „Ja“ kann Zustimmung, aber auch höfliche Zurückhaltung bedeuten. Wer mit nepalesischen Partnern oder Mitarbeitenden arbeitet, profitiert daher von Sensibilität im Ton und einem respektvollen Umgang mit Autorität.

Arbeitskräfte aus Nepal

Foto von Aaron Santelices auf Unsplash

Fazit: Zwischen Himalaya, Hinduismus und Hierarchie

Wer mit Nepal arbeitet, sollte sich auf ein Umfeld einstellen, in dem Religion, Familie und Respekt tief verankert sind. Der Alltag ist von Ritualen, Festen und familiären Verpflichtungen geprägt – Faktoren, die auch das Arbeitsleben stark beeinflussen. Nepalesische Arbeitskräfte gelten als engagiert, loyal und belastbar – Eigenschaften, die in vielen Branchen geschätzt werden. Unter ihnen genießen Führungskräfte hohen Respekt, doch dieser geht Hand in Hand mit der Erwartung, Fürsorge und Verständnis zu zeigen. Unternehmen, die Feiertage ernst nehmen, familiäre Bindungen respektieren und bei kurzfristigen Abwesenheiten flexibel reagieren, schaffen Vertrauen.

Gleichzeitig eröffnet eine klare und zugleich empathische Führungsebene die Chance, Mitarbeitende langfristig an sich zu binden. Wer kulturelle Sensibilität zeigt und die Werte Nepals in seine Arbeitsweise integriert, wird nicht nur als Arbeitgeber geschätzt, sondern legt den Grundstein für nachhaltige Loyalität und erfolgreiche Kooperationen im „Land der tausend Tempel“.

Quellen

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