Internationales Recruiting der Fachkräfte für die Textilindustrie. Diese Näherinnen kommen aus Indien.
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Wer näht Europas Zukunft? Arbeitskräfte aus Südasien gesucht und gefunden!

Fachkräfte für die Textilindustrie sind gefragt. Während in Deutschland und Osteuropa kaum noch Nachwuchs für die Textilindustrie zu finden ist, boomt die Produktion in Bangladesch, Indien, Pakistan und Nepal.

Können Europas Unternehmen vielleicht dort die Textilarbeiter finden, die sie so dringend brauchen?

Lesen Sie diesen Artikel, wenn Sie wissen möchten, wo die Zukunft der Textilindustrie liegt, wie Unternehmen Fachkräfte finden können – und warum Südasien dabei eine Schlüsselrolle spielt.

Warum Südasien das Herz der Textilindustrie ist

Ob Jeans aus Bangladesch, T-Shirts aus Tamil Nadu oder Garn aus Pakistan – Südasien ist seit Jahrzehnten das Zentrum der globalen Textilindustrie. Die Region vereint niedrige Löhne, riesige Fabriken, scheinbar unendlich viele Arbeitskräfte und eine lange Handwerkstradition.
Heute arbeiten hier über 60 Millionen Menschen in der Textil- und Bekleidungsindustrie. Damit ist Südasien das Rückgrat der weltweiten Modeversorgung – und zunehmend auch eine Antwort auf den Fachkräftebedarf in der europäischen Textilindustrie. Denn Europa sucht händeringend Fachkräfte für die Textilindustrie.

Die europäische Textilindustrie im Vergleich

Europa dagegen altert: Laut Eurostat ist die Zahl der Beschäftigten in der europäischen Textilbranche seit 2000 um mehr als 50% gesunken. In Deutschland gibt es zwar noch 120.000 Beschäftigte, aber vor allem in Nischen – Hightech-Textilien, technische Stoffe, Schutzkleidung. Klassische Näherinnen und Näher sind kaum mehr zu finden. Hier stellt sich die Frage, wie europäische Unternehmen künftig Textilarbeiter finden können.

Indien Vielfalt und Tradition in der Textilindustrie

Indien beschäftigt mehr als 45 Millionen Menschen in der Textilindustrie. Besonders drei Regionen stechen hervor:

Tamil Nadu (Tirupur, Coimbatore): „Knitwear Capital of India“ – spezialisiert auf Strickwaren und T-Shirts, Export in alle Welt.

Gujarat (Surat, Ahmedabad): Seide, Baumwolle, Hightech-Stoffe – geprägt durch Händlernetzwerke.

Punjab (Ludhiana): Strickwaren, Wolle, Denim – starke Familienunternehmen mit Exportfokus.

Bernard, kanadischer Textil-Unternehmer und Recruiting-Experte mit jahrzehntelanger Erfahrung in Europa, Dubai und Südasien, sagt dazu:

Indien ist fragmentiert, aber extrem vielfältig. Du findest dort Spezialisten für alles – von Handstickerei bis zu automatisierten Großfabriken.“

Für europäische Firmen, die Arbeitskräfte rekrutieren wollen, bietet Indien ein breites Spektrum: von hochqualifizierten Schneidern bis zu Millionen einfacher Näherinnen.

Textilarbeiter aus Indien

Foto von EqualStock auf Unsplash

Fachkräfte für die Textilindustrie aus Bangladesch – Weltmeister der Massenproduktion

Bangladesch ist mit 4,4 Millionen Beschäftigten das zweitgrößte Exportland für Bekleidung nach China.
Fabriken mit 10.000–40.000 Beschäftigten sind keine Seltenheit.
Hauptprodukte: Jeans, T-Shirts, einfache Konfektion.
Rund 85 % der Exporteinnahmen stammen aus der Bekleidungsindustrie.
Für viele europäische Unternehmen kann Bangladesch das Synonym werden für spezialisierte, disziplinierte und fleißige Arbeitskräfte finden: schnell, verlässlich, günstig.

Bernard formuliert es so:
„Wenn jemand drei Jahre in Bangladesch genäht hat, ist das wie zehn Jahre in Europa. Diese Leute sind unglaublich schnell und effizient.“

Gerade für den hohen Fachkräftebedarf in der Textilindustrie Europas gilt Bangladesch als wichtigste Quelle.

Arbeitskräfte Textilindustrie aus Nepal – klein, aber präzise und exzellenter Ruf

Nepal ist im Vergleich winzig – doch die Fachkräfte genießen einen exzellenten Ruf.
Schwerpunkt: Maßarbeit, präzises Schneidern, oft Männer an den Maschinen.
Bekannte Eigenschaften: Disziplin, Ausdauer, Genauigkeit.
Export eher kleinvolumig, aber von stabiler Qualität.
Für Arbeitgeber, die nicht nur Masse, sondern präzise Fachkräfte rekrutieren wollen, ist Nepal ein interessanter Standort.

Indischer Textilarbeiter

Pakistan – Baumwolle, Denim und 15 Millionen Beschäftigte

Pakistan verfügt über eine lange Baumwolltradition und eine breite industrielle Basis.
15 Millionen Beschäftigte (direkt & indirekt).
Weltweit unter den Top 5 der Baumwollproduzenten.
Starke Segmente: Garn, Heimtextilien, Denim.
Zentren: Karachi, Lahore, Multan, Faisalabad.
Pakistan gilt als verlässlicher Lieferant für Denim und Heimtextilien. Viele deutsche Firmen greifen auf pakistanische Stoffe zurück, wenn es um Qualität und Preisstabilität geht.

Traditionen und Kastenwesen – spielt das noch eine Rolle?

In Indien war die Textilproduktion jahrhundertelang durch das Kastensystem geprägt: Weberkasten, Färberkasten, Händlerkasten.
Heute hat die Industrialisierung diese Strukturen weitgehend aufgelöst. In modernen Fabriken spielen Kasten oder Herkunft kaum noch eine Rolle.
In Bangladesch und Pakistan als islamischen Ländern ist das Kastenwesen ohnehin irrelevant – dort dominieren Großfabriken, oft mit jungen Frauen als Hauptarbeitskräften.
In Nepal gibt es noch kulturelle Spuren des Kastenwesens im Handwerk, in der industriellen Fertigung jedoch kaum.

Land

Anzahl Beschäftigte

Export

Indien

>45 Mio

Vielfalt: Strick, Seide, Denim, Hightech

Bangladesch

~4,4 Mio

Massenproduktion, 85 % Exportanteil

Pakistan

~15 Mio

Baumwolle, Denim, Heimtextilien

Nepal

~200.000

Präzision, Maßarbeit, kleine Cluster

Europäische Perspektive: Fachkräftebedarf und Chancen

Die Textilindustrie Europas leidet an Überalterung und Nachwuchsmangel. In Deutschland ist das Durchschnittsalter der Beschäftigten über 45 Jahre. Ausbildungsplätze und damit klassische Ausbildungsberufe der Textilindustrie verschwinden.
Hier können Fachkräfte aus Südasien eine Lösung sein:
Nähekräfte aus Bangladesch für Massenproduktion.
Schneider aus Nepal für Präzisionsarbeit.
Spezialisten aus Indien und Pakistan für Denim, Garn und Hightech-Stoffe.
Europa muss sich entscheiden: Will man weiterhin Arbeitsplätze verlieren – oder aktiv Arbeitskräfte rekrutieren, um die Produktion zu sichern?

Die wichtigsten Standorte der Textilindustrie Südasiens im Überblick

Tamil Nadu (Indien) – Knitwear Capital, Strickwaren
Gujarat (Indien) – Baumwolle, Seide, Hightech-Stoffe
Punjab (Indien/Pakistan) – Strickwaren, Wolle, Denim
Dhaka & Chittagong (Bangladesch) – Massenproduktion, Großfabriken
Kathmandu (Nepal) – Präzisionsschneider, kleine Werkstätten
Karachi, Lahore, Multan (Pakistan) – Baumwolle, Garn, Heimtextilien

Fazit: Können diese Cluster Europas Zukunft sichern?

Die Textilcluster Südasien sind jung, groß, produktiv – und sie wachsen weiter. Europa hingegen altert und verliert Fachkräfte.
Die entscheidende Frage lautet:
Können Arbeitskräfte aus Tamil Nadu, Dhaka, Lahore oder Kathmandu die Zukunft der europäischen Textilindustrie sichern?
Die Antwort darauf – und wie Unternehmen am besten Arbeitskräfte in der Textilindustrie finden – diskutieren wir ausführlich im Interview mit Bernard, Recruiting-Experte mit jahrzehntelanger Erfahrung zwischen Südasien und Europa und in unserem E-Paper „Recruiting – Aber Richtig!“

Über den Autor: Philipp Rowe

Über den Autor

Philipp Rowe ist internationaler Unternehmensberater und Herausgeber von Arbeitswelten.me. Er baut Brücken zwischen Ländern und Kulturen, spricht mehrere Sprachen und bringt so die Menschen zusammen. Sein Motto lautet: „Let’s connect the world!“ Hier schreibt er über seine Erfahrungen und beleuchtet aktuelle Trends zu weltweiter Arbeit und internationalem Recruiting.

Kontakt: germandesk(at)philipprowe.com

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