Andere Arbeitswelten verstehen – Teil 1: Indien
Arbeitskultur Indien – darüber gibt es viele Klischees. Aber was bedeutet es wirklich und wie wirkt es sich im Joballtag aus? Feiertage, Familienstrukturen, Führungsstile oder Essgewohnheiten: Kulturelle Unterschiede beeinflussen, wie internationale Teams zusammenarbeiten.
In dieser Folge der Serie „Andere Arbeitskulturen Verstehen“ geht es um Indien, wie man dort arbeitet und was die Hintergründe dieser besonderen Arbeitskultur sind.
Wie vermeidet man oder löst Missverständnisse bei der Zusammenarbeit und wie kann man Fachkräfte aus Indien für sein Unternehmen begeistern und langfristig binden?
Im Fokus: Arbeitskultur Indien

Namaste im Job: Was Unternehmen über indische Arbeitskultur wissen sollten
Indien ist bunt, vielfältig – und einer der wichtigsten Partner für die deutsche Wirtschaft. Doch wie ticken indische Fachkräfte im Arbeitsalltag? Von religiösen Feiertagen über vegetarische Esskultur bis hin zu Hierarchien im Büro: Wir zeigen, was Sie wissen sollten, wenn sie erfolgreich indische Arbeitskräfte einstellen, integrieren und an ihr Unternehmen binden wollen.
Indien ist nicht nur eines der bevölkerungsreichsten Länder der Welt, sondern auch ein zentraler Partner für die deutsche Wirtschaft. Ob in der IT, im Ingenieurwesen oder in Blue-Collar-Jobs: Immer mehr indische Fachkräfte kommen nach Deutschland. Damit die Zusammenarbeit gelingt, reicht es nicht, nur Fachwissen und Verträge im Blick zu haben – kulturelle Unterschiede können im Arbeitsalltag entscheidend sein.
Feiertage und Religion: Vielfalt statt Einheitskalender
Indien ist religiös extrem vielfältig: Hinduismus, Islam, Christentum, Sikhismus, Buddhismus und viele mehr. Das bedeutet auch: ein Kalender voller Feiertage. Während in Deutschland Weihnachten und Ostern dominieren, sind in Indien Feste wie Diwali (Lichterfest), Holi (Farbenfest) oder Eid al-Fitr zentral.

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- Diwali (Lichterfest): Das wohl bekannteste hinduistische Fest, vergleichbar in seiner Bedeutung mit Weihnachten. Familien schmücken ihre Häuser mit Lichtern, es werden Geschenke verteilt, und viele Unternehmen schließen für mehrere Tage.
- Holi (Farbenfest): Bekannt für die bunten Farbpulver, steht Holi für Freude, Neuanfang und das Überwinden des Bösen. Auch im Arbeitsumfeld ist es ein großes Gemeinschaftserlebnis.
- Eid al-Fitr und Eid al-Adha: Islamische Feiertage, die für Millionen Inder und Inderinnen wichtig sind. Hier wird häufig gemeinsam gebetet, gegessen und gefeiert.
- Weihnachten: Obwohl nur etwa 2 % der Bevölkerung Christen sind, wird Weihnachten in vielen Städten gefeiert – ein Beispiel für Indiens kulturelle Offenheit.
- Regionale Feiertage: Indien ist ein Subkontinent – in Tamil Nadu wird etwa Pongal gefeiert, ein Erntedankfest, in Westbengalen das Durga Puja.
Für Unternehmen bedeutet das: Es gibt nicht „den einen“ Feiertagskalender, sondern regionale und religiöse Unterschiede. Mitarbeiter aus Indien erwarten deshalb oft Flexibilität bei Urlaubsplanung. Wer hier Verständnis zeigt, vermittelt Respekt und stärkt die Bindung.
Auch in Deutschland kann es sinnvoll sein, Rücksicht zu nehmen – etwa, wenn ein indischer Kollege gerne für Diwali oder Eid in die Heimat reisen möchte. Solche Gesten wirken stärker als jedes Benefits-Programm: Sie zeigen echte Wertschätzung.
Familie: Der Dreh- und Angelpunkt
In Indien hat die Familie einen außergewöhnlich hohen Stellenwert. Sie ist nicht nur ein soziales Netz, sondern auch die zentrale Instanz bei wichtigen Entscheidungen. Oft wird nicht individuell entschieden, sondern gemeinsam mit Eltern, Ehepartner oder sogar der Großfamilie.
Das zeigt sich auch im Berufsleben:
- Jobwahl & Standort: Ein Arbeitsplatz wird nicht nur nach Karrierechancen, sondern auch nach Nähe zur Familie bewertet. Viele indische Fachkräfte wägen ab, ob ein Umzug – auch nach Deutschland – mit den Bedürfnissen der Familie vereinbar ist.
- Arbeitszeiten & Überstunden: In Indien gilt es als selbstverständlich, dass familiäre Verpflichtungen Vorrang haben. Wer ein krankes Elternteil pflegen oder ein Fest vorbereiten muss, wird das nicht als „private Nebensache“ sehen, sondern als Pflicht.
- Soziale Sicherheit: Familie ersetzt in vielen Fällen staatliche Absicherung. Kinder unterstützen Eltern finanziell, Eltern kümmern sich um Enkel – dieses starke Netz ist ein zentraler Wert.

Für deutsche Unternehmen bedeutet das: Verständnis und Flexibilität sind entscheidend. Wer akzeptiert, dass Familie Priorität hat, baut Vertrauen auf. Schon kleine Gesten – etwa Verständnis für Familienbesuche in Indien oder flexible Urlaubsregelungen – können viel bewirken.
Und: Familie ist in Indien auch Teil der Identität. Wenn Unternehmen signalisieren, dass sie diese Rolle respektieren, fühlen sich Mitarbeitende stärker eingebunden und wertgeschätzt.
Essensgewohnheiten: Mehr als Curry
Indische Esskultur ist vielfältig – und geprägt von religiösen Regeln. Viele Menschen leben vegetarisch, Rindfleisch gilt im Hinduismus als tabu, und Muslime meiden Schweinefleisch. Essen ist ein soziales Ereignis, gemeinsame Mahlzeiten haben hohen Stellenwert.

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Im Arbeitsalltag heißt das: Kantinen sollten auf vegetarische Optionen achten und Teams können durch gemeinsames Essen kulturelle Brücken schlagen.
Hierarchien & Führungsstil – Respekt, Beziehung und klare Strukturen
In Indien begegnet man einem Führungsstil, der anders funktioniert als in Deutschland. Er ist stark hierarchisch, oft autoritär – und immer mit persönlichem Respekt verbunden:

- Klare Anweisungen und Respekt: Vorgesetzte werden als Autoritätsfiguren mit Führungsverantwortung verstanden. Entscheidungen liegen bei ihnen – und ihre Anweisungen werden erwartet und ohne Zögern umgesetzt,
- Vertrauen durch persönliche Nähe: Auch wenn Führung autoritär wirkt, ist sie gleichzeitig empathisch und persönlich. Vorgesetzte nehmen eine fast väterliche Rolle ein, kümmern sich um private Belange und gelten nicht nur als Manager, sondern auch als Mentoren.
- Kulturelle Werte prägen Rolle und Kommunikation: Werte wie Dharma (ethische Pflicht), Familie, Status und Erfolgsstreben sind tief verankert. Viele indische Mitarbeiter erwarten eine klare, respektvolle Führung sowie ethische Integrität ihrer Vorgesetzten.
- Indirekte Kommunikation & Konfliktvermeidung: Kritik wird meist nicht offen angesprochen – um das Gesicht zu wahren. Stattdessen spielt zwischenmenschliche Harmonie eine große Rolle. Wichtige Infos erreicht man oft nur durch gezielte Nachfrage und eine gute Beziehungsebene ().
- Veränderung in internationalen Kontexten: In modern aufgestellten, internationalen Unternehmen – vor allem in der IT oder Kreativbranche – entwickelt sich ein kooperativerer Führungsstil, der partizipative Ansätze erlaubt.
Praxis-Tipp: Wer in Indien erfolgreich führen oder mit indischen Teams zusammenarbeiten möchte, sollte Führung mit klarer Struktur, persönlicher Nähe und kultureller Sensibilität verbinden. Anerkennung, Statusbewusstsein – und echtes Interesse am Menschen dahinter – sind dabei oft entscheidend.
Fazit: Integration heißt auch Kultur verstehen
Wer mit indischen Fachkräften zusammenarbeitet, sollte nicht nur auf Qualifikationen achten, sondern auch auf kulturelle Feinheiten. Feiertage, Familie, Ernährung und Hierarchien sind keine „Nebensachen“, sondern prägen den Alltag – und damit die Motivation.
Namaste im Job heißt deshalb: nicht nur die Hand reichen, sondern auch die Kultur respektieren.
Quellen
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