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„Unsere Gen-Z will nicht mehr arbeiten“ – Deutscher Luxus oder ein globales Phänomen?

Wenn man durch deutsche Großstädte läuft, hört man sie überall: Gespräche über Sinn, Work-Life-Balance und die nächste große Entscheidung fürs Leben. Die Generation Z scheint sich immer öfter Zeit zu nehmen – für Reisen, Praktika, Nebenjobs, Ehrenämter oder einfach nur, um herauszufinden, wer sie überhaupt sind. Studienzeiten werden gedehnt, Semester verpasst, Auslandsaufenthalte geplant – alles Teil einer großen Suche nach Selbstverwirklichung. Ein Luxus, den sich viele junge Erwachsene in Deutschland gönnen. Aber ist das wirklich ein deutsches Phänomen – oder sehen wir ähnliche Trends auch in anderen Regionen der Welt?

Die deutsche Gemütlichkeit: Mehr Zeit, mehr Möglichkeiten

In Deutschland hat die Gen-Z das Privileg, dass sie in einem relativ sicheren sozialen und wirtschaftlichen Umfeld aufwächst. Eltern können finanziell unterstützen, Studierende haben Zugang zu staatlicher Förderung, und es gibt vielfältige Möglichkeiten, sich beruflich und persönlich auszuprobieren. Das Resultat: Junge Erwachsene können bewusst „langsamer“ leben, Semester verschieben, Praktika ausprobieren oder das Sabbatjahr nach dem Abi nehmen.

will die Gen-Z wirklich nicht mehr arbeiten?

Foto von Meg Aghamyan auf Unsplash

Dieser Trend wird oft als „Work-Less“-Mentalität kritisiert. Aber eigentlich geht es hier eher um die Suche nach einem erfüllten Leben. Die deutsche Gen-Z hat die Freiheit, nicht sofort in die Arbeitswelt einzutauchen und den Beruf als reinen Broterwerb zu sehen. Es ist eine Mischung aus Luxus, gesellschaftlicher Sicherheit und einem Überfluss an Optionen.

Blick nach Südasien: Pragmatismus statt Gemütlichkeit

Wenn man jedoch über die Grenzen Deutschlands hinausblickt, sieht die Realität deutlich anders aus. In Ländern wie Pakistan, Nepal oder Indien dreht sich vieles um Familie, Tradition und gesellschaftliche Erwartungen. Für junge Erwachsene ist es oft selbstverständlich, dass sie früh Verantwortung übernehmen – sei es im Studium, im Job oder für die Familie. Reisen oder Auszeiten nach dem Abschluss sind Luxus, den sich die wenigsten leisten können.

Asiatisches Mädchen sitzt mit einem Getränk und schaut zur Seite

Foto von Yoab Anderson auf Unsplash

Die Berufswahl orientiert sich hier häufig an Sicherheit und realistischen Chancen, nicht unbedingt an Leidenschaft. Viele Jugendliche haben nicht die notwendigen Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten, um ihre Berufswahl frei zu gestalten müssen früh mithelfen, sei es finanziell oder durch die Unterstützung von Verwandten. Die individuelle Selbstverwirklichung steht oft hinten an, während pragmatische Lebensplanung, Pflichtbewusstsein und Leistungsorientierung den Alltag dominieren. Work-Life-Balance ist hier kein Standard, sondern eher ein Wunschtraum.

Westbalkan: Zwischen Tradition und Aufbruch

Der Westbalkan zeigt ein Zwischending. Hier treffen traditionelle Werte auf neue Möglichkeiten. Viele junge Menschen träumen von eigenen Projekten, Reisen oder digitalen Jobs, doch die wirtschaftliche Realität lässt wenig Raum dafür. Frühes Arbeiten, Auswanderung oder flexible Nebenjobs sind oft die Norm, um Perspektiven zu schaffen. Gleichzeitig bleiben Familie und gesellschaftliche Erwartungen ein starker Faktor, der Entscheidungen prägt. Junge Menschen wollen experimentieren und träumen, müssen dabei aber häufig pragmatisch bleiben.

Gen Z - Zwischen Arbeit und Selbstverwirklichung

Deutscher Luxus oder globaler Trend?

Wenn man die internationale Perspektive einnimmt, wird schnell klar: Was in Deutschland als „junge Gemütlichkeit“ wahrgenommen wird, ist in vielen Ländern schlichtweg nicht möglich. Junge Erwachsene in Südasien oder dem Westbalkan jonglieren zwischen wirtschaftlichem Druck, familiären Erwartungen und persönlichen Ambitionen. Sie müssen früh Verantwortung übernehmen, sich praktisch durchkämpfen und Entscheidungen treffen, die in Deutschland oft erst Jahre später relevant werden. Die deutsche Gen-Z hingegen kann sich Zeit lassen, Experimente wagen und Wege ausprobieren – ein Luxus, der aus Sicherheit, Möglichkeiten und gesellschaftlicher Unterstützung entsteht.

Doch dieser Luxus ist nicht nur materiell zu verstehen. Er spiegelt auch ein gesellschaftliches Mindset wider: Die Freiheit, den eigenen Lebensweg zu hinterfragen, Prioritäten neu zu setzen und dabei auch mal Umwege zu gehen, ohne dass das unmittelbar existenzielle Konsequenzen hat. Diese Freiheit erlaubt es, Karrierepläne, Reisen, Selbstfindung und Work-Life-Balance zu einem komplexen Puzzle zusammenzusetzen – etwas, das in vielen Teilen der Welt schlichtweg nicht denkbar ist.

Dennoch zeigt sich, dass der Wunsch nach Sinn, Selbstbestimmung und erfülltem Leben universell ist. Auch in Regionen, in denen wirtschaftlicher Druck und traditionelle Normen dominieren, sehnen sich junge Menschen danach, eigene Entscheidungen zu treffen und persönliche Träume zu verwirklichen – nur die Mittel und Spielräume sind andere. Die deutsche Gen-Z mag vielleicht den Luxus haben, diesen Weg langsam zu gehen, aber die Motivation dahinter, ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben zu führen, verbindet junge Menschen weltweit.

Letztlich lässt sich sagen: Die „Work-Less“-Mentalität ist weniger ein Zeichen von Bequemlichkeit als ein Symptom eines gesellschaftlichen Überflusses an Möglichkeiten. Sie zeigt, wie sehr Kontext und Sicherheit das Mindset prägen und wie unterschiedlich junge Menschen weltweit ihren Platz im Leben suchen müssen. Was in Deutschland wie Luxus wirkt, ist anderswo harte Realität – und vielleicht genau das, was die Generation Z hier besonders schätzen und reflektieren lässt.

Gen-Z Arbeitsmoral

Foto von Vitaly Gariev auf Unsplash

Quellen

  • Journal of Emerging Market Trends – The Importance of Flexibility at Work for Generation Z in Germany
  • Business Standard India – 25% Gen Z up for new-age jobs; 43% ready to give up work-life balance, study finds
  • Economic Times India – 64% of Gen Z in India wants to work for organisations with flexible work options
  • UNICEF – More than half of South Asian youth are not on track to have the education and skills necessary for employment in 2030
Sabrina Borger Autorin bei Arbeitswelten.me

Über die Autorin

Sabrina Borger ist ausgebildete Rechtsanwaltsfachangestellte und hat Russlandstudien mit Schwerpunkt Kultur und Gesellschaft studiert. Als Autorin bei Arbeitswelten.me schreibt sie über internationale Fachkräfte, Integration und Arbeitskultur – mit einem besonderen Blick für die Menschen hinter den Geschichten. Sabrina schreibt nicht aus der Theorie, sondern aus Begeisterung für echte Erfahrungen – von Arbeitsmigrantinnen aus Südasien bis zu Arbeitgebern in Europa, die neue Wege gehen.

Deutsch, Russisch und Englisch fließend, verbindet sie analytisches Denken mit journalistischem Gespür. Ihre Leidenschaft für das Schreiben hat familiäre Wurzeln: Ihr Großvater war Journalist und Chefredakteur der Zeitung „Freundschaft“ in Karaganda, Kasachstan. Er hat sie früh inspiriert, die Welt mit offenen Augen zu betrachten.

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