Real Talk: Wer arbeiten will, kommt aus Südasien – Teil 3: Über Verantwortung, Disziplin und Stolz
Arbeitskräfte aus Südasien: In diesem dritten Teil unseres Gesprächs mit Bernard geht es um die große Perspektive: Was können europäische Unternehmen von den Arbeitsmigranten aus Südasien lernen? Und warum sind gerade sie der Motor ganzer Volkswirtschaften – vom Nahen Osten bis Europa?
In diesem Interview spricht Bernard über Mut, Verantwortung und echte Arbeitsmoral. Er erzählt von seiner Arbeitserfahrung in Dubai und wie Menschen aus Nepal, Indien, Bangladesch und Pakistan den modernen Mittleren Osten aufgebaut haben. Steht Europa jetzt an einer ähnlichen Stelle?
Ein Gespräch über Arbeitsmoral, Stolz, Respekt und die Frage, was Arbeit wirklich bedeutet.
Arbeitskräfte aus Südasien: extremste Bedingungen, unterschätztes Potenzial
Philipp: Bernard, in unseren vorigen Gesprächen haben wir über Motivation, Auswahl und Integration gesprochen. Jetzt möchte ich mit Dir über die größere Perspektive reden: über die Arbeit selbst – und über das, was Arbeitskräfte aus Südasien antreibt.
Bernard: Weißt du, Philipp, manchmal vergessen wir, was Arbeit eigentlich bedeutet. Ich habe in Indien, Nepal und Bangladesch Dinge gesehen, die du dir kaum vorstellen kannst. Menschen, die in der Mittagshitze auf Brücken schweißen – mit Badelatschen an den Füßen und Sonnenbrille gegen die Funken. Keine Schutzkleidung, keine teuren Werkzeuge. Aber sie machen den Job.
Philipp: Es klingt unglaublich.
Bernard: Es ist Alltag. Du gehst auf eine Baustelle in Indien, und du siehst es überall. Manche haben gar keine Schuhe. Wer ein paar Sandalen hat, gilt schon als gut ausgerüstet. Trotzdem stehen sie dort oben, schweißen, betonieren, bauen. Das zeigt, was für ein Potenzial in diesen Menschen steckt. Sie wollen arbeiten. Sie wollen lernen. Sie sind stolz, wenn sie etwas schaffen.
Vom Dorf auf die Baustelle – und in die Welt
Philipp: Viele dieser Leute kommen aus Regionen, die in Europa kaum jemand kennt. Was treibt sie an, alles hinter sich zu lassen und zum Arbeiten um die halbe Welt zu reisen?
Bernard: Verantwortung. Sie kommen nicht für Abenteuer oder Urlaub. Sie kommen, um ihre Familien zu ernähren. Jeder Arbeiter, der aus Südasien kommt und im Ausland arbeitet – ob in Dubai, Katar, Kroatien oder Deutschland – trägt die Verantwortung für mehrere Menschen. Eltern, Kinder, Großeltern. Und das verändert alles. Diese Verantwortung gibt ihnen Kraft. Sie arbeiten nicht nur für sich, sondern für andere.

Foto von shraga kopstein auf Unsplash
Philipp: Und trotzdem sehen viele Europäer sie immer noch als „billige Arbeitskräfte“.
Bernard: Ja, das ist ein großes Missverständnis. Viele denken, sie seien ungebildet oder einfach nur arm. Aber die Wahrheit ist: Ohne sie würden Dubai und der Mittlere Osten nicht so existieren, wie sie heute sind.
Warst Du in Dubai? Geh nach Dubai! Alles, was du siehst – Straßen, Brücken, Hochhäuser, Hotels – wurde von Arbeitskräften aus Südasien gebaut. Keine europäischen, keine amerikanischen Arbeiter. Alles Inder, Nepalesen, Bangladeschis, Pakistani.
Und es funktioniert. Die Gebäude stehen. Die Hotels sind sauber. Die Städte sind sicher. Das ist der beste Beweis, dass diese Menschen die Welt am Laufen halten. Und die Arbeitserfahrung in Dubai ist sehr viel wert: Für die Arbeiter selbst und auch für europäische Unternehmen, die Personal im Ausland finden.
Was bedeutet die Arbeitserfahrung in Dubai?
Philipp: Das heißt, was im Mittleren Osten funktioniert, könnte auch in Europa funktionieren? Internationales Recruiting von Arbeitskräften aus Südasein über Dubai könnte auch für deutsche oder europäische Unternehmen funktionieren?
Bernard: Natürlich. Der Unterschied ist nur, dass Europa spät dran ist. In den 1980ern brauchte Dubai Arbeitskräfte aus Südasien, heute braucht Europa sie. Die Bevölkerung altert, niemand will mehr einfache Jobs machen – und gleichzeitig ist die Bürokratie groß.
Aber das Prinzip ist dasselbe: Wenn du die richtigen Leute auswählst, wenn du sie fair behandelst, läuft alles. Ich sage immer: „Jeder braucht Arbeiter. Die Frage ist nur, ob du sie richtig behandelst.“
Philipp: Was müsste Europa deiner Meinung nach anders machen, um Personal im Ausland zu finden und anzuwerben?
Bernard: Erstens: Weniger Angst. Zweitens: Weniger Papier. Drittens: Mehr Vertrauen.
Du musst nicht jedes Problem vorher lösen. Fang an. Hol gute Partner, schau, wie es läuft, und verbessere unterwegs. So haben wir es gemacht, als wir damals Arbeitskräfte aus Südasien für Dubai und den Mittleren Osten gefunden haben – und es hat funktioniert.
Wenn du in Deutschland darauf wartest, dass alles perfekt geregelt ist, bevor du den ersten Arbeiter einstellst, dann passiert gar nichts und es wird sehr schwer. „Personal im Ausland finden“ ist unter den in Deutschland gegebenen Bedindungen nicht einfach aber möglich.
Internationales Recruiting sieht Arbeit als Verbindung, nicht als Abgrenzung
Philipp: Wenn man dir zuhört, merkt man, dass du Arbeit nicht als reines Business siehst, sondern als etwas Menschliches.
Bernard: Genau. Arbeit ist das, was Menschen verbindet. Wenn jemand aus Nepal oder Indien in Europa arbeitet, entsteht etwas Neues. Er bringt seine Werte mit – Familie, Loyalität, Stolz. Und er nimmt andere Werte mit zurück – Organisation, Struktur, Pünktlichkeit. Das ist keine Einbahnstraße. Das ist Austausch. Wenn man es richtig macht, lernen beide Seiten voneinander. Der Europäer lernt Geduld, der Südasiate lernt Effizienz.
„Dritte Welt“? – Eine falsche Bezeichnung
Philipp: Du sagst manchmal, der Begriff „Dritte Welt“ sei völliger Unsinn. Warum?
Bernard: Weil er nicht stimmt. Geh nach Dubai, und du siehst es. Alles funktioniert. Straßen, Hotels, Flughäfen – alles von Arbeitskräften aus Südasien gebaut, die angeblich aus der „Dritten Welt“ kommen. Ich sage immer: Wenn du in Dubai in ein Hotel gehst – wer begrüßt dich an der Rezeption? Wer putzt dein Zimmer? Wer kocht dein Essen? Personal aus Südasien. Und? Es funktioniert perfekt.
Europa redet viel über Fachkräftemangel. In Dubai haben sie einfach gearbeitet.
„Wer arbeiten will, kommt aus dem Süden“
Philipp: Wenn du als Experte für internationales Recruiting das alles zusammenfasst – was ist deine wichtigste Botschaft?
Bernard: Ganz einfach: Wer arbeiten will, kommt aus dem Süden. Diese Menschen haben das Rückgrat, das viele Menschen in unserer Welt verloren haben. Sie sind diszipliniert, sie sind verlässlich, sie wollen etwas erreichen. Wenn du sie respektierst, bekommst du alles zurück – Qualität, Loyalität, Menschlichkeit.
Europa sollte nicht fragen: „Passen sie zu uns?“ Europa sollte fragen: „Wie passen wir zu ihnen?“
Philipp: Das ist ein starkes Schlusswort. Danke, Bernard, für deine Offenheit und deine Zeit.
Bernard: Gern geschehen, Philipp. Jederzeit wieder.
Ende des Interviews/ Das Interview führte Philipp Rowe von Arbeitswelten.me.

Über den Autor
Philipp Rowe ist internationaler Unternehmensberater und Herausgeber von Arbeitswelten.me. Er baut Brücken zwischen Ländern und Kulturen, spricht mehrere Sprachen und bringt so die Menschen zusammen. Sein Motto lautet: „Let’s connect the world!“ Hier schreibt er über seine Erfahrungen und beleuchtet aktuelle Trends zu weltweiter Arbeit und internationalem Recruiting.
Kontakt: germandesk(at)philipprowe.com
Rekrutieren, aber richtig!
Arbeitskräfte im Ausland finden!
Den praktischen Leitfaden mit 25 Seiten Wissen aus der Praxis für die Praxis hier kostenlos herunterladen:
Nach dem Absenden des Formulars erhalten Sie das E-Book per E-Mail.
Ihre E-Mail-Adresse wird ausschließlich zur Bearbeitung Ihrer Anfrage und zur Zusendung des E-Books verwendet.
Es erfolgt keine automatische Anmeldung zu einem Newsletter.
Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
