Arbeitskräfte aus Südasien rekrutieren
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Real Talk: Wer anpacken will, kommt aus Südasien – Teil 1: Wie alles begann

Wer Arbeitskräfte aus Südasien rekrutieren will, braucht keine Hochglanzbroschüren – sondern Menschen, die wissen, wie es wirklich funktioniert. Einer davon ist Bernard: Kanadier, Bauingenieur, Textilunternehmer, internationaler Recruiter und seit den 1980ern in Südasien und Dubai. Er hat miterlebt, wie ganze Städte aus Sand entstanden – gebaut von Arbeitern aus Indien, Pakistan und Nepal. Heute vermittelt er selbst Arbeitskräfte für europäische Unternehmen und spricht offen darüber, was funktioniert – und was nicht.

Teil 1 des Experten-Interviews mit Bernard Cadieux.

Wie alles begann – vom Bau ins Recruiting

Philipp: Good afternoon, Bernard. Du kommst aus Kanada, hast aber viele Jahre in Südasien und im Nahen Osten gearbeitet. Heute rekrutierst Du Arbeitskräfte aus Südasien und vermittelst diese weltweit – nach Europa und auch nach Deutschland. Wie hat das alles angefangen?

Bernard: Das ist lange her. Ich war in den späten 1970ern in Nepal und in den frühen 1980ern in Indien – damals noch als Student. Wir reisten mit Freunden aus der Uni in Kanada durch die Welt, sahen uns verschiedene Länder an. Damals gab es in vielen Regionen kaum Straßen oder Infrastruktur, aber wir hatten Spaß. So begann meine Verbindung zu Asien.

Später arbeitete ich als Bauingenieur. Anfang der 1980er kam ich in den Nahen Osten, nach Dubai, weil dort ein enormer Bedarf an Ingenieuren und Arbeitskräften war. Ich sah die Möglichkeiten, entschied mich zu bleiben und begann, Strukturen aufzubauen. Zwischen 1984 und 1987 habe ich mich endgültig dort niedergelassen.

Damals begann der große Boom im Mittleren Osten. Man brauchte Arbeitskräfte – viele, sehr schnell. Und die besten fand man in Südasien. Ich hatte schon Kontakte dorthin, also fiel mir der Einstieg leicht. Wir brachten Arbeiter her, sorgten für Unterkünfte, und so begann der Aufbau dieser Region.

Wie findet man gute Arbeitskräfte aus Südasien

Philipp: Wie würdest du einen typischen Kandidaten aus Südasien beschreiben?

Bernard: Die Leute aus Indien, Pakistan, Bangladesch oder Nepal sind sehr gute Arbeiter. Sie wollen arbeiten, um ihren Familien ein besseres Leben zu ermöglichen. Das ist ihre Motivation.

Die Schwierigkeit liegt heute weniger bei den Arbeitern selbst, sondern bei der Auswahl – bei den Agenten. In diesen Ländern gibt es viele lokale Agenten, manche sind gut, viele improvisieren. Sie schicken Leute, die gar nicht richtig zu den Anforderungen passen.

Aber wer richtig auswählt, findet exzellente Leute. Pakistanis sind zum Beispiel hervorragende Fahrer – fast alle LKW- und Taxifahrer in Dubai sind Pakistanis. Inder sind stark im Bau, im Beton- und Metallbereich. Nepalesen sind extrem fleißig und sozial – mit denen kann man Teams aufbauen, sie helfen einander.
Ich sehe keine Gruppe, mit der man grundsätzlich Probleme hätte. Entscheidend ist die Auswahl und die Vorbereitung.

Arbeitskräfte aus Südasien rekrutieren. Darüber sprechen Philipp und Bernard in diesem Interview

Arbeitskräfte aus Südasien rekrutieren. Darüber sprechen Bernard und Philipp in diesem Zoom-Interview vom 01.08.2025

Den richtigen Agenten finden

Philipp: Stell dir vor, ein deutscher Arbeitgeber möchte Arbeitskräfte aus Südasien einstellen. Was wäre dein Rat – wie geht man da richtig vor?

Bernard: Der erste Schritt ist nicht, den Arbeiter zu suchen – sondern den richtigen Agenten. Das ist das Wichtigste überhaupt. Du brauchst jemanden mit Erfahrung, der Zugang zu guten Kandidaten hat. Ein guter Agent macht die Vorauswahl. Wenn die Vorauswahl stimmt, funktioniert der ganze Prozess.

Philipp: Wie findet man den richtigen Agenten?

Bernard: Du musst selbst hinfahren. Es gibt vielleicht einen guten Agenten unter 300. Du musst sehen, was er macht, welche Arbeiter er vermittelt, welche Firmen er beliefert. Manche Agenturen sind spezialisiert auf Bau, andere auf Elektriker oder Lagerarbeiter. Die Auswahl hängt immer auch von der Region ab. Wenn du die Regionen kennst, weißt du, welche Arbeitskultur du bekommst.

Deutsch, Englisch, Hindi … oder mit Händen und Füßen?

Philipp: Wie verständigt man sich?

Bernard: Es hängt immer vom Beruf ab. Wenn du Leute für die Fleischverarbeitung suchst, brauchst du nur ein paar, die gut Englisch sprechen. Der Rest lernt durch Zeigen. Wenn du Vorarbeiter oder Maschinenbediener suchst, ist Kommunikation wichtiger. Aber in den meisten Jobs reicht einfache Verständigung.

Es sind keine Chirurgen – es sind Arbeiter, die täglich wiederkehrende Aufgaben machen. Man braucht ein, zwei Leute, die übersetzen und Anweisungen geben können, der Rest folgt ihnen. So funktioniert die Teamarbeit dort.

Diese Menschen kommen, weil sie arbeiten wollen. Sie kommen nur, um zu arbeiten. Sie kommen nicht, um neue Freunde zu finden oder Wurzeln zu schlagen. Diese Menschen gehen dorthin, wo es Arbeit gibt und sie arbeiten so viele Stunden, wie Du ihnen gibst. Und sie wollen dann nach 5, 6, 7, 8, 9, 10 Jahren wieder nach Hause zurückkehren.

Interviews, Dokumente und die richtigen Fragen

Philipp: Was sollten Arbeitgeber in Europa, welche Arbeitskräfte aus Südasien suchen, noch beachten?

Bernard: Am wichtigsten ist eine genaue Stellenbeschreibung. Je präziser die Anforderungen sind, desto besser können wir passende Leute finden. In Deutschland ist das oft schwierig, weil man erwartet, dass jeder Deutsch spricht. In Ländern wie Kroatien oder Bulgarien ist das normal – dort interviewt man Ausländer wie Einheimische.

Die Dokumente müssen überprüft werden. Manche haben keine offiziellen Zeugnisse, aber 10 oder 15 Jahre Erfahrung. Wenn du die richtigen Fragen stellst, merkst du sofort, ob jemand das kann, was er behauptet.

Philipp: Was sind die richtigen Fragen?

Bernard: Das hängt davon ab, um welchen Beruf es geht. Wenn Du zum Beispiel einen CNC Operator suchst, dann willst Du wissen für welche Maschine er ausgebildet, spezialisiert und erfahren ist. Welche Operationen er auf der Maschine macht. Ob er die programmieren kann und welches Programm dabei benutzt wird. Wenn Du einen Elektriker suchst, dann fragst Du ihn, wie man das drei Phasen-Kabel zusammensteckt und wie man den Schaltkreis schließt.

Was motiviert die Arbeitskräfte aus Südasien? Gibt es Red Flags?

Philipp: Gibt es weitere Fragen? Gibt es Warnsignale oder Red Flags?

Bernard: Ja. Ich achte darauf, wie jemand reagiert, ob er nervös ist, ob er widersprüchlich antwortet. Wenn du fragst: „Warum willst du nach Europa?“ – und jemand sagt: „Weil Europa cool ist“, ist das kein gutes Zeichen. Ein guter Kandidat sagt: „Ich will meiner Familie helfen.“ Das ist der Unterschied. Am besten sind verheiratete Männer mit Kindern, mit Eltern, für die sie sorgen. Diese Leute sind zuverlässig. Sie wissen, warum sie arbeiten.

Sourcing: Welche Rolle spielt die Herkunftsregion?

Philipp: Wenn man Arbeitskräfte aus Südasien sucht, gibt es Regionen, in denen bestimmte Berufe besonders stark vertreten sind?

Bernard: Ja. Wenn du gute Landarbeiter suchst, geh nach Nordindien – dort ist fast jedes Haus ein Bauernhof. Wenn du Bauarbeiter oder Stahlflechter suchst, geh in die Industriezentren. Für IT und Technik: Bangalore. Für Pflegekräfte: der Süden, z. B. Coimbatore. Dort sind viele der besten Schulen. Jede Region hat ihr eigenes Profil. Wenn du das kennst, findest du immer, was du brauchst.

Die Region Südasien und Indien ist sehr vielfältig. Es gibt sehr große Unterschiede zwischen Nord- und Südindien. Es sind ganz unterschiedliche Mentalitäten Lebensweisen. Der Süden ist ruhiger, disziplinierter. Der Norden ist direkter, manchmal chaotischer. Beides hat seine Vor- und Nachteile je nachdem, welche Berufe du suchst und mit welchen Agenten du dabei zusammenarbeitest.

Fortsetzung folgt

Philipp: Danke, Bernard für diese Einblick. Wir freuen uns auf den nächsten Teil.

Bernard: Danke. Jederzeit gern.

In Kürze auf dieser Seite: Lesen in Teil 2: Wie europäische Arbeitgeber Interviews mit Kandidaten aus Südasien führen sollten – und warum Motivation wichtiger ist als Sprache.

Über den Autor: Philipp Rowe

Über den Autor

Philipp Rowe ist internationaler Unternehmensberater und Herausgeber von Arbeitswelten.me. Er baut Brücken zwischen Ländern und Kulturen, spricht mehrere Sprachen und bringt so die Menschen zusammen. Sein Motto lautet: „Let’s connect the world!“ Hier schreibt er über seine Erfahrungen und beleuchtet aktuelle Trends zu weltweiter Arbeit und internationalem Recruiting.

Kontakt: germandesk(at)philipprowe.com

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