Engpassberufe 2025: Warum Deutschland ohne internationale Arbeitskräfte nicht mehr auskommt
Ob Bau, Logistik oder Reinigung – viele Stellen bleiben über Monate unbesetzt.
Der Fachkräftemangel ist längst kein Buzzword mehr, sondern harte Realität. Unternehmen quer durch alle Branchen merken: Ohne internationale Lösungen geht es nicht mehr.

Aktuelle Engpassberufe 2025 – ein Blick in die Statistik
Die Bundesagentur für Arbeit listet regelmäßig sogenannte Engpassberufe – Jobs, bei denen es besonders schwer ist, geeignete Bewerber und Bewerberinnen zu finden. 2025 stehen unter anderem auf der Liste:
- Bau & Handwerk: Betonbauer, Elektriker, Anlagenmechaniker, Dachdecker
- Transport & Logistik: Berufskraftfahrer, Lagerlogistiker
- Gesundheit & Pflege: Pflegefachkräfte, medizinische Fachangestellte
- Reinigung & Service: Gebäudereiniger, Hotelfachkräfte
- IT & Technik: Softwareentwickler, Ingenieure
Im Jahresdurchschnitt entfielen zuletzt fast 439.000 offene Stellen auf Engpassberufe – also knapp die Hälfte aller offenen Fachkraftstellen in Deutschland.
Was bedeutet es, wenn ein Beruf als Engpassberuf gilt?
Frage: Was bedeutet es, wenn die Bundesagentur für Arbeit einen Beruf als Engpassberuf einordnet oder in die Liste aufnimmt?
Wenn ein Beruf als Engpassberuf geführt wird, zeigt das, dass es auf dem deutschen Arbeitsmarkt einen besonders hohen Bedarf an Fachkräften in diesem Bereich gibt. Für Unternehmen bedeutet das: Es gibt kaum geeignete Bewerber und Bewerberinnen, die die Anforderungen erfüllen.
Für ausländische Fachkräfte hat diese Einstufung konkrete Vorteile:
- Vereinfachte Visa- und Aufenthaltstitelverfahren: Ausländische Bewerber und Bewerberinnen, insbesondere diejenigen ohne in Deutschland anerkannte Berufsausbildung, können leichter ein Arbeitsvisum oder eine Aufenthaltserlaubnis erhalten.
- Beschleunigte Anerkennung: Einige Verfahren zur Anerkennung von Abschlüssen und Qualifikationen werden priorisiert.
Die Einordnung als Engpassberuf ist im Aufenthaltsgesetz (§ 18b und § 18c AufenthG) verankert. Sie regelt, unter welchen Bedingungen ausländische Fachkräfte nach Deutschland einreisen und arbeiten dürfen. Damit trägt die Politik gezielt dazu bei, den Fachkräftemangel in kritischen Bereichen zu bekämpfen.*
Aktuelle Liste: Die vollständige und stets aktualisierte Liste der Engpassberufe finden Sie auf der Webseite der Bundesagentur für Arbeit: Engpassberufe der BA
Warum gibt es keine Nachrücker?
Die einfache Antwort: Es gibt sie nicht mehr.
- Demografischer Wandel: Millionen Fachkräfte aus der Generation der Babyboomer gehen in den nächsten Jahren in Rente. Die nachfolgenden Generationen sind zahlenmäßig deutlich kleiner – die Lücke ist also strukturell eingebaut.
- Fehlende Ausbildungskapazität: In vielen Branchen sinkt die Zahl der Azubis. Handwerksberufe zum Beispiel werden von Jugendlichen häufig nicht als „attraktiv“ wahrgenommen. Weniger Nachwuchs = weniger Fachkräfte.
Warum wollen Deutsche nicht in diesen Branchen arbeiten?
Das ist die unangenehme Wahrheit: Viele dieser Jobs gelten als unattraktiv.
- Hohe Belastung: Pflegekräfte arbeiten im Schichtdienst, tragen Verantwortung für Menschenleben und sind körperlich wie psychisch stark gefordert.
- Körperlich harte Arbeit: Berufe auf dem Bau oder in der Reinigung sind anstrengend, oft bei Wind und Wetter oder unter Zeitdruck.
- Unterschied zwischen Verantwortung & Bezahlung: In Branchen wie Pflege oder Logistik klafft eine Lücke zwischen der Belastung und der Vergütung – was viele abschreckt.
- Imageproblem: „Arbeiten im Handwerk“ oder „LKW fahren“ klingt für viele Jugendliche nicht modern oder zukunftssicher, obwohl diese Berufe extrem gefragt sind.
Regionales Beispiel: Allgäu und Pflege
Ein konkretes Beispiel aus dem Arbeitsagenturbezirk Kempten-Memmingen (Allgäu) verdeutlicht das Ausmaß: Für 55 gemeldete Pflege-Stellen standen nur 20 arbeitslos gemeldete Pflegekräfte zur Verfügung – fast drei offene Stellen pro Fachkraft. Zudem sank von 2021 bis 2024 die Zahl der deutschen Pflegekräfte um etwa 600, während die Beschäftigung von ausländischen Pflegekräften um fast 790 anstieg – oft aus Drittstaaten wie Bosnien-Herzegowina, Rumänien, Kroatien, den Philippinen oder dem Kosovo.
Überlastung: Ein Teufelskreis
Besonders in der Pflege zeigt sich: Je weniger Personal da ist, desto stärker werden die verbliebenen Kräfte belastet.
- Überstunden und Schichtzwänge führen zu Erschöpfung.
- Hohe Krankenstände verschärfen die Situation zusätzlich.
- Viele Fachkräfte verlassen frustriert den Beruf – was die Lücke noch größer macht.

Überlastung am Limit: Einblicke aus dem Klinikalltag
In der Berliner Notfallstation etwa müssen zwei Ärzte bis zu 200 Kinder pro Tag behandeln – und Eltern werden oft gezwungen, Pflegeaufgaben zu übernehmen, weil Personal fehlt.
Im Jüdischen Krankenhaus Berlin (Wedding) wurde der Personalmangel so massiv, dass 70 % der Betten stillgelegt und fünf Stationen geschlossen werden mussten. Pflegekräfte betreuten nachts teils bis zu 40 Patienten und Patientinnen. Überlastungsanzeigen (ca. 400) blieben hier keine Ausnahme.In einem Seniorenheim in Berlin-Friedrichsfelde rief eine allein arbeitende Pflegekraft den Notruf, weil niemand die Übergabe für 142 Bewohner übernehmen konnte – ein Zeichen für den inzwischen katastrophalen Zustand vieler Einrichtungen.
Warum deutsche Lösungen nicht mehr reichen
Natürlich gibt es Initiativen:
- Kampagnen, um mehr junge Menschen für Handwerk oder Pflege zu gewinnen.
- Umschulungsprogramme für Arbeitslose.
- Automatisierung und Digitalisierung, um Prozesse effizienter zu machen.
Aber: All das greift viel zu langsam oder nur in Teilbereichen.
- Der demografische Knick ist schlicht zu groß.
- In Branchen wie Pflege oder Bau wird auch in 10 Jahren noch menschliche Arbeit unverzichtbar sein.
Der Wettbewerb um die wenigen Fachkräfte, die es gibt, ist enorm – Unternehmen überbieten sich gegenseitig, statt die Lücke wirklich zu schließen.
Fazit: Die Zukunft ist international
Deutschland kann die Engpassberufe nicht mehr alleine besetzen. Ohne internationale Fachkräfte bleibt der Arbeitsmarkt unvollständig.

Foto von Lennard Kollossa auf Unsplash
- Für Arbeitgeber bedeutet das: sich frühzeitig mit Visa-Verfahren, Anerkennung von Abschlüssen und internationalem Recruiting vertraut machen.
- Für die Politik: rechtliche Hürden abbauen, Verfahren beschleunigen und Zuwanderung aktiv gestalten.
Halten wir also fest: Wer heute schon international denkt, hat morgen die Nase vorn – und sichert die Wettbewerbsfähigkeit seines Unternehmens.
Quellen
- arbeitsagentur.de – Fachkräfteengpassanalyse 2024
- arbeitsagentur.de Arbeitsagentur Kempten-Memmingen – Tag der Pflege 2025, Zahlen zum Allgäu
- welt.de, bild.de, bild.de – Beispiele aus Berliner Kliniken und Heimen
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Was ist ein Engpassberuf?
Ein Engpassberuf ist ein Job, bei dem es besonders schwer ist, geeignete Fachkräfte zu finden. Die Bundesagentur für Arbeit listet diese Berufe regelmäßig.
Welche Vorteile haben ausländische Bewerber und Bewerberinnen bei Engpassberufen?
Sie können erleichtert ein Arbeitsvisum oder einen Aufenthaltstitel erhalten. Auch Anerkennungs- und Einstellungsverfahren laufen oft schneller.
Wo finde ich die aktuelle Liste der Engpassberufe?
Die vollständige Liste wird von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht: Engpassberufe der BA
Welche Branchen sind besonders betroffen?
Vor allem Bau & Handwerk, Transport & Logistik, Pflege & Gesundheit, Reinigung & Service sowie IT & Technik.
Warum reicht die deutsche Fachkraftbasis nicht aus?
Demografischer Wandel, sinkende Ausbildungszahlen, hohe Belastung und Imageprobleme führen zu einem strukturellen Mangel.
*Disclaimer:
Die Inhalte dieses Artikels dienen ausschließlich der allgemeinen Information und stellen keine Rechts- oder Steuerberatung dar. Trotz sorgfältiger Recherche übernehmen wir keine Gewähr für die Aktualität, Richtigkeit oder Vollständigkeit der Informationen. Für individuelle rechtliche oder steuerliche Fragen wenden Sie sich bitte an die zuständigen Behörden oder eine fachkundige Beratung.