Asiatische Pflegekraft neben älterer Patientin
| |

Pflegekräfte aus Südasien nach Deutschland – Die Triple-Win-Initiative

Die Pflegebranche in der DACH-Region (Deutschland, Österreich und Schweiz) steht seit Jahren vor einer gewaltigen Herausforderung. Der Fachkräftemangel spitzt sich zu: Immer mehr ältere Menschen benötigen Unterstützung, während der heimische Nachwuchs in der Pflege nicht ausreicht. Um diese Lücke zu schließen, richtet sich der Blick zunehmend auf Pflegekräfte aus Südasien. Länder wie Indien, Nepal oder Bangladesch verfügen über gut ausgebildete Fachkräfte – und genau hier setzt die Triple-Win-Initiative der Bundesagentur für Arbeit an.

Warum Pflegekräfte aus Südasien so gefragt sind

Südasien bringt gleich mehrere Vorteile mit sich. In vielen Ländern der Region hat das Gesundheitswesen eine lange Tradition. Es gibt dort eine große Zahl qualifizierter Pflegeabsolventinnen und -absolventen, die im Inland oft keine passenden Arbeitsmöglichkeiten finden. Viele von ihnen sind hochmotiviert, im Ausland zu arbeiten und internationale Erfahrung zu sammeln. Für die DACH-Region ist das ein echter Gewinn – fachlich, sprachlich und menschlich.

Südasiatische Pflegekräfte sind bekannt für ihr hohes Engagement, ihre Belastbarkeit und ihren respektvollen Umgang mit älteren Menschen. Diese Eigenschaften machen sie zu geschätzten Mitgliedern in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Zudem bringen viele Bewerberinnen und Bewerber aus Südasien wertvolle interkulturelle Kompetenzen mit. Sie sind es gewohnt, in multikulturellen Teams zu arbeiten, flexibel auf neue Anforderungen zu reagieren und Verantwortung zu übernehmen – Fähigkeiten, die in der modernen Pflege unverzichtbar sind.

Die Triple-Win-Initiative: Ein Gewinn für alle Seiten

Die Triple-Win-Initiative, ein gemeinsames Projekt der Bundesagentur für Arbeit und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), wurde ins Leben gerufen, um Pflegekräfte aus Drittstaaten legal, fair und nachhaltig nach Deutschland zu vermitteln.

Das Konzept des „Triple Win“ steht für drei klare Vorteile:

  1. Herkunftsländer wie Indien, Nepal oder Bangladesch profitieren durch eine Entlastung ihres Arbeitsmarktes sowie durch Rücküberweisungen, die Familien vor Ort finanziell stärken.
  2. Deutschland gewinnt dringend benötigte Fachkräfte, um die Versorgungslücke in der Pflege zu schließen.
  3. Die Pflegekräfte selbst erhalten sichere Arbeitsplätze, faire Bedingungen und langfristige Perspektiven für sich und ihre Familien.

Damit zeigt die Initiative, wie internationale Zusammenarbeit im Pflegebereich allen Beteiligten zugutekommt. Besonders positiv ist, dass das Programm auf Transparenz und Gleichberechtigung setzt – ein wichtiger Schritt gegen illegale Vermittlung und ausbeuterische Praktiken, die in der Vergangenheit häufig vorkamen.

Chancen und Herausforderungen bei der Integration

So groß die Chancen sind, so wichtig ist eine gute Vorbereitung.

  • Sprache: Deutschkenntnisse sind entscheidend. Viele Programme in Südasien integrieren bereits Sprachkurse bis zum Niveau B1 oder B2.
  • Anerkennung von Abschlüssen: Pflegeausbildungen aus Südasien müssen oft ergänzt werden, bevor die volle Anerkennung in Deutschland erfolgt. Anpassungsqualifikationen und Mentorenprogramme helfen, diesen Prozess zu erleichtern.
  • Kulturelle Unterschiede: Der Arbeitsalltag, Hierarchien und der Umgang mit Patientinnen und Patienten unterscheiden sich teils stark. Interkulturelle Trainings fördern das gegenseitige Verständnis und erleichtern die Integration.
  • Familiennachzug: Wenn Pflegekräfte ihre Familien nachholen dürfen, entsteht Stabilität und langfristige Bindung an den Arbeitgeber – ein klarer Vorteil für alle Seiten.

Viele Einrichtungen in der DACH-Region setzen mittlerweile auf umfassende Integrationskonzepte. Dazu gehören Begrüßungspaten, regelmäßige Feedbackgespräche und Sprachförderung im Alltag. Solche Maßnahmen tragen entscheidend dazu bei, dass Pflegekräfte aus Südasien sich nicht nur beruflich, sondern auch menschlich willkommen fühlen.

Pflegekräfte aus Südasien in einer deutschen Pflegeeinrichtung

Foto von Dulcey Lima auf Unsplash

Wie Integration langfristig gelingt

Eine erfolgreiche Integration bedeutet, dass alle profitieren:
Pflegeeinrichtungen sichern ihre Qualität und entlasten ihr Personal. Herkunftsländer profitieren durch neue Qualifikationen und finanzielle Rückflüsse. Und Pflegekräfte aus Südasien bauen sich in Europa eine stabile und sichere Zukunft auf.

Damit dieses Modell nachhaltig funktioniert, braucht es klare Strukturen, faire Arbeitsbedingungen und kulturelle Offenheit. Arbeitgeber sollten begleitende Maßnahmen wie Mentorenprogramme, Sprachförderung und kulturelle Sensibilisierung fest in ihre Integrationskonzepte aufnehmen. Nur wenn gegenseitiger Respekt und Wertschätzung gelebt werden, kann die Triple-Win-Idee dauerhaft Erfolg haben.

Quellen

Was ist die Triple-Win-Initiative genau?

Die Triple-Win-Initiative ist ein Programm der Bundesagentur für Arbeit (BA) und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Sie wurde 2013 ins Leben gerufen, um den Fachkräftemangel in der Pflegebranche zu bekämpfen. Der Name „Triple Win“ steht für den dreifachen Nutzen:

Deutschland gewinnt dringend benötigte Pflegekräfte. Die Herkunftsländer – etwa Indien, Indonesien, Philippinen, Jordanien oder Tunesien profitieren von Beschäftigungsmöglichkeiten und Rücküberweisungen.
Die Pflegekräfte selbst erhalten faire Arbeitsbedingungen, berufliche Perspektiven und langfristige Chancen.

Wer hatte die Idee zur Triple-Win-Initiative?

Die Initiative entstand aus einer Kooperation zwischen der Bundesregierung (Bundesministerium für Arbeit und Soziales, BMAS), der Bundesagentur für Arbeit und der GIZ. Ziel war es, ein Modell zu schaffen, das ethisch, fair und nachhaltig Pflegekräfte aus Drittstaaten vermittelt – als Alternative zu oft intransparenten privaten Vermittlungswegen.

Auf welche Berufsgruppen ist die Initiative zugeschnitten?

Der Fokus liegt auf examinierte Pflegekräfte mit abgeschlossener Ausbildung, die in ihrem Heimatland bereits im Gesundheitswesen tätig waren. Teilweise werden auch Pflegehilfskräfte mit Potenzial zur Anerkennung unterstützt, sofern sie bereit sind, Sprachkurse und Qualifizierungsmaßnahmen zu absolvieren.

Aus welchen Ländern werden Pflegekräfte über Triple Win vermittelt?

Aktuell kommen die meisten Pflegekräfte aus Indien, Indonesien, Jordanien, den Philippinen und Tunesien. In den letzten Jahren wurden Pilotprojekte auch mit Bosnien und Herzegowina oder Nepal gestartet.

Wie läuft die Vermittlung über Triple Win ab?

Die GIZ und die Bundesagentur für Arbeit wählen gemeinsam geeignete Kandidatinnen und Kandidaten aus, die dann kostenlose Sprachkurse (bis Niveau B1/B2) sowie Vorbereitungstrainings zur Integration in Deutschland erhalten. Anschließend folgt der offizielle Arbeitsvertrag mit einer Pflegeeinrichtung.

Welche Voraussetzungen müssen Bewerberinnen und Bewerber erfüllen?

Bewerber brauchen eine abgeschlossene Ausbildung als Pflegefachkraft, gute Deutschkenntnisse (mindestens B1). Sie sollten die Bereitschaft mitbringen, Anpassungsqualifizierungen in Deutschland zu absolvieren, sowie das Interesse an einer langfristigen Beschäftigung.

Was unterscheidet Triple Win von privaten Vermittlungsagenturen?

Das Programm arbeitet nicht gewinnorientiert und achtet auf faire, transparente Verfahren. Triple Win übernimmt behördliche Formalitäten, sorgt für rechtssichere Verträge und stellt sicher, dass keine Ausbeutung oder Schuldenfallen entstehen – ein wichtiger Unterschied zu kommerziellen Agenturen.

Wie profitieren die Herkunftsländer?

Die Initiative achtet darauf, dass nur arbeitslose oder unterbeschäftigte Fachkräfte vermittelt werden, um einen „Brain Drain“* zu vermeiden. Zudem fließen über Rücküberweisungen finanzielle Mittel in die Heimat, die Familien und lokale Wirtschaft stärken.

*“Brain Drain“ ist ein Begriff aus der Arbeits- und Migrationsforschung. Wörtlich heißt es „Abfluss von Gehirn(en)“, also sinngemäß Abwanderung von Fachkräften oder Talenten aus einem Land.
In diesem Zusammenhang bedeutet es:
Wenn zu viele gut ausgebildete Menschen (z. B. Ärztinnen, Pflegekräfte, Ingenieure usw.) aus einem Entwicklungs- oder Schwellenland ins Ausland gehen, fehlen sie dort, wo sie ursprünglich gebraucht werden. Das kann die Gesundheitsversorgung oder Wirtschaft des Herkunftslands schwächen.
Die Triple-Win-Initiative will genau das vermeiden – sie vermittelt deshalb nur arbeitslose oder unterbeschäftigte Fachkräfte, damit das Herkunftsland keinen Nachteil hat, sondern alle Beteiligten profitieren

Rekrutieren, aber richtig!
Arbeitskräfte im Ausland finden!

Den praktischen Leitfaden mit 25 Seiten Wissen aus der Praxis für die Praxis hier kostenlos herunterladen:
Nach dem Absenden des Formulars erhalten Sie das E-Book per E-Mail.
Ihre E-Mail-Adresse wird ausschließlich zur Bearbeitung Ihrer Anfrage und zur Zusendung des E-Books verwendet.
Es erfolgt keine automatische Anmeldung zu einem Newsletter.

Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

    By submitting this form, you agree to our
    privacy policy.


    Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und akzeptiere sie.

    Datenschutzerklärung

    Recruiting aber richtig

    Ähnliche Beiträge